BW96 Ehrenmitglied Wilhelm Modest im Gespräch
mit der Jetzt Sport
Sport hat einen hohen Stellenwert für Wilhelm, genauso wie das unaufgeregte Unterstützen des Vereins.
Interview mit Wilhelm Modest, geboren 1949 in Schenefeld, Vereinsmitglied seit „mindestens“ 1961, Ehrenmitglied seit Mai 2022, ehemaliger Fußballer, verlässlicher Kassenwart und Volleyballer und nun mit seiner Frau Heike beim Paartanz engagiert.
Dieses Interview führte Thomas Dobberstein.
Frage BW96: Lieber Wilhelm Modest, seit 65 Jahren sind Sie Blau-Weißer, wie sind Sie damals zum Sport und zum Verein gekommen?
Wilhelm Modest: 1961 war mein Eintrittsdatum für die Fußballer bei Blau-Weiß, davor war ich aber schon beim Turnen dabei. Unsere Klassenlehrerin an der Schule Altgemeinde hat Ende der 50er Jahre einen großen Sack mit Stroh gefüllt, auf dem wir z.B. die Rolle üben konnten. Kurz darauf wurde auch die Wurmkamphalle fertiggestellt. Jungs starteten in jenen Tagen so, erst Turnen, danach zum Fußball in die Knaben Mannschaft. So war es zumindest im Dorf. Es gab noch keine E-, F- oder G-Jugend wie heute und B- und A-Jugend hießen Jugend- und Jungmann-Mannschaften. Diese Zeit mit Knabenturnieren in Jesteburg und mit der Vorfreude auf unsere Sonntagsspiele war wunderbar. Es gab kein TV und keine Handies, Fußball war unser Leben damals! Gespielt habe ich bis in den Herrenbereich, meist in der Reserve des 1.-Herrenteams, bis eine dauerhafte Achillessehnenreizung mich dann gestoppt hat.
BW96: Es ging also früh los mit dem Vereinssport. Kam das aus der Familie?
Wilhelm: Oh ja, Sport durchdringt meine gesamte Familie. Mein Vater kam aus Ottensen und ist nach dem Krieg wegen der Bombenschäden von dort nach Schenefeld gegangen, spielte hier Fußball, war auch Fußballtrainer, Fußballobmann und zeitweise 2. Vorsitzender des Vereins gewesen. Meine Mutter war bei Blau-Weiß 96 Handballerin. Zu der Zeit trafen sich die Sportteams gern in der Gaststätte Zur Mühle in Schenefeld, so auch die Fußball Herren und die Handball Damen. Ja, meine Eltern haben sich da kennengelernt und geheiratet, und damit waren sie wirklich nicht die Einzigen!
Ich bin schon von klein auf mit einem gemieteten Bus zu den Auswärtsspielen meines Vaters mitgefahren. Das „Wir sind die Spieler mit der Blau-Weißen Tracht“, das da gesungen wurde, klingt noch in meinen Ohren, wenn ich daran zurückdenke.
Meine Frau Heike war unter anderem Übungsleiterin beim Mutter-Kind-Turnen. Sie ist heute noch aktiv beim Tanzen und in den Sparten Freizeit-Aktiv und Fitness. Und unsere 3 Kinder sind alle auch beim Sport gelandet, zumeist Mannschaftssport.
BW96 Ehrenmitglied Wilhelm Modest, Fußballer, Volleyballer und Paartänzer bei BW96.
„Vereinssport gibt mehr Gemeinschaftsgefühl als TikTok.“
BW96: Sport hat einen hohen Stellenwert in Ihrem Leben. Ist es „nur“ beim Fußball geblieben?
Wilhelm: Nein, ich war ja später Lehrer für Mathe und Sport, habe also auch Sport am Institut für Leibesübungen studiert und damals zusätzlich eine Prüfung zum Trainer B-Schein Fußball erfolgreich abgelegt. Auf der Uni sind mir viele schöne, für mich neue Sportarten begegnet. Ich habe Volleyball kennen- und mögen gelernt, was ich bis vor wenigen Jahren auch hier im Verein mit einer durchaus ambitionierten Freizeitmannschaft auf zahlreichen Turnieren betrieben habe. In der Sparte habe ich einige Jahre die Abteilungsleitung als Kassenwart und Vertreter des Vorsitzenden unterstützt, um die Finanzen kümmere ich mich derzeit immer noch.
BW96: Gab es jemals einen anderen Verein als BW96 für Sie?
Wilhelm: Ja, ich habe einige Zeit zusätzlich beim SV Lurup Basketball gespielt. Das wurde seinerzeit bei BW96 nicht angeboten, ich wollte es aber für meine Schüler besser beherrschen, als ich es aus der Uni noch konnte.
BW96: Zum ersten Mal getroffen haben wir beide uns beim BW96 Tanzsport/Paartanzen.
Wilhelm: Ja, dort sind Heike und ich seit ungefähr 15 Jahren aktiv. Wir wollten nicht auf Feiern immer nur den Einheitsschritt tanzen, das war uns zu langweilig. Deshalb haben wir erst einen VHS-Tanzkurs belegt, später gab es noch einen Tanzkurs in der Tanzschule, aber das war immer zeitlich begrenzt und nach einiger Zeit haben wir die Tanzschritte wieder vergessen. Also sind wir in die Blau-Weiß Tanzsparte eingetreten und tanzen wöchentlich in den Räumen von Angela Lüthjes Tanzschule. Das gibt uns Bewegung, Gemeinschaft und hält die grauen Zellen fit. Na, und wenn da etwas Organisatorisches zu regeln ist, mache ich das mit Frank Böhrens, zurzeit suchen wir noch einen Abteilungsleiter.
BW96: So wie Sie sich dort engagieren, sind Sie auch bei anderen Vereinsveranstaltungen immer wieder helfend aktiv. Ich höre von Kinderfasching, Kinderturntag, 24-Stunden-Lauf…
Wilhelm: Meine Frau war beim Kinderturnen Übungsleiterin, da habe ich natürlich bei den Veranstaltungen mitgeholfen und z.B. bei den Turnabzeichen samt Urkunden unterstützt. Beim 24-Stunden-Lauf bin ich in den letzten Jahren dazu gekommen, aber das Orga-Team um Uwe Hahn und Jürgen Bötticher und andere hat da viel mehr geleistet.
BW96: Was bedeutet Vereinsleben für Sie?
Wilhelm: Das Vereinsleben, das ich erleben durfte, hat mich immer bereichert. Ich wurde dadurch stets in eine Gemeinschaft eingebunden. Das ist bis heute so, wenn ich bei Katja zum Reha-Sport gehe oder mit Heike beim Tanzsport bin. Wir schnacken, tauschen uns aus, halten uns gemeinschaftlich fit und stärken unser Gedächtnis.
BW96: Haben Sie eine Empfehlung für junge Menschen und Sportler?
Wilhelm: Eine Empfehlung als „Alter“ möchte ich nicht geben, die Zeit ist ja heute eine völlig andere, mit mehr Mediennutzung, mehr Nachmittagsunterricht an den Schulen und sehr viel mehr Ablenkung. Aber ich freue mich sehr über junge Menschen, die sich trotzdem engagieren, beim Sport oder sozial, da bin ich vielleicht altmodisch. Mitarbeiten beim Vereinssport schenkt auf jeden Fall mehr Gemeinschaftsgefühl als TikTok das vermag. Und Mannschaftssport hat mich mehr über Verantwortung, Verpflichtung und gegenseitige Unterstützung gelehrt, als es ein Einzelsport unabhängig vom Verein vermag.
BW96: Ganz herzlichen Dank, lieber Wilhelm Modest, für den Blick in Ihr Sporterleben und für Ihre beispielhafte und doch zurückhaltende Unterstützung für unseren Verein BW96!


Dobberstein-Fotografie